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Tag und Nacht Der Film - Fanseite

Zwei Studentinnen in Wien brauchen einen Job neben dem Studium. Warum nicht bei einem Escortservice arbeiten und richtig viel Geld verdienen? Schlechten Sex, nur umsonst, hatten sie davor auch. Mit diesem unschlagbaren Argument überzeugt Lea ihre beste Freundin Hanna. Sie stürzen sich in das Abenteuer zwischen Tag und Nacht.

In Tag und Nacht wirft die österreichische Regisseurin Sabine Derflinger einen ungeniert normalen Blick auf zwei junge Frauen (Anna Rot und Magdalena Kronschläger), die Prostitution als Abenteuer verstehen und dabei von der Realität überrollt werden.

Warum soll eine Studentin nicht als Callgirl arbeiten? Solange sie das freiwillig tut, nur des Geldes wegen, vielleicht für das Prickeln im Bauch, jedenfalls aber ohne Zwang von Außen?

Lea und Hanny als Escort-Girls

Die beiden Studentinnen und Freundinnen Lea und Hannah sind pleite, doch sie denken gar nicht erst daran, sich mit miesen Brotjobs über Wasser zu halten. Sie halten es für eine bessere Idee, in das Callgirl-Geschäft einzusteigen und dabei ordentlich zu verdienen. Anfänglich zeigt sich die Idee als lukrativ und spannend: Frustrierte Ehemänner, gestresste Businessmänner oder einfach einsame Herzen gehören zu ihrer Kundschaft. Doch nach und nach wird der Drahtseilakt zwischen Studium und Nachtschwärmerei immer schwieriger und spätestens, als Grenzen überschritten werden, droht die Lage zu eskalieren.

Stark und eindringlich von den beiden deutschen Schauspielerinnen Anna Rot und Magdalena Kronschläger gespielt, wird der ungeschminkte Charme von Sabine Derflingers ("Schnelles Geld") Film wohl niemanden kalt lassen. Sogar die Freier strahlen auf ihre eigene verquere Weise Sympathie aus. Dennoch bleibt die Geschichte stets glaubwürdig und deckt so manches Tabu über den Arbeitsalltag als Prostituierte auf, ohne moralisch zu werten. Ein kleines Glanzstück des deutschen Films.

Hanna und Ihr erster Job (Quelle wikipedia)

Am Anfang des Films stehen die beiden Wiener Studentinnen Hanna und Lea. Beide stammen vom Land, beide sind neu in der Stadt und beide halten sich mit Aushilfsjobs in der Gastronomie über Wasser. Da das Geld vom Kellnern hinten und vorne nicht reicht, beschließen sie, auf das Jobangebot einer Escort-Agentur einzugehen. Betreiber der Agentur sind Mario und seine Frau Sissi. Die Agentur ist klein; die Umgangsformen entsprechend informell. Die Grundlagenvermittlung des Pay-Sex-Gewerbes vermittelt Sissi auf eher beiläufige Weise. Sissis Rat an Lea: „Du musst dem Kunden das Gefühl vermitteln, dass er was Besonderes ist. Wenn du das schaffst, dann bist du für ihn auch was Besonderes, verstehst?“ Und: „Parfüm und Bodylotion müssen von derselben Marke sein. Ein Geruch, eine Geschichte, merk dir das. Mehr verwirrt die Männer.“ Dies sei die erste Regel. Die Regel Nummer zwei laute: Vorher kassieren.[2][3]

Der Spagat zwischen Studium, Pay-Sex-Gewerbe und Privatleben gestaltet sich zunächst eher unspektakulär. Lea trifft in der Disko Claus, einen alten Bekannten vom Dorf. Als sie gerade dabei ist, sich mit ihm auf ein Techtelmechtel einzulassen, wird sie zu einem Kunden bestellt. Die Kunstgeschichte-Studentin Hanna freundet sich unterdess mit Harald (Adrian Topol) an, den sie beim Studium kennengelernt hat, lässt diesen jedoch im Unklaren über ihren Nebenjob. Die Zusammentreffen mit den Escortkunden werden als eher beiläufig, nebensächlich, zum Teil banal hingestellt. Da ist der alte Mann, der unter seiner Kleidung Frauenunterwäsche trägt. Da ist der alerte Jungmanager, der den besonderen Kick möchte und Sex gerne im Fahrstuhl hat. Der nette Familienvater, der sich zum Pay-Sex von seiner Familie wegstiehlt. Der gehemmte, unselbständige Spross aus guter Familie. Auf den ersten Blick bleiben all diese Treffen an der Oberfläche – wobei der neue Job nicht nur mit Situationskomik aufwartet, sondern auch mit unkomplizierten, tendenziell angenehmen Treffen. Freud und Leid: Pay Sex – ein Job eben wie jeder andere.[2]

Mit Fortschreiten des Films geraten die unterschiedlichen Welten mehr und mehr durcheinander. Lea, die Schauspiel studieren möchte, fällt bei der Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule durch. Auch die Escorttreffen gehen mehr und mehr an die Substanz. Subtile, doch allgegenwärtige Grenzüberschreitungen mehren sich ebenso wie die stetig wachsende Entfremdung vom Studium. Zug um Zug merken Lea und Hanna: Die beiden Welten sind nicht ohne weiteres miteinander vereinbar – sie sind nicht einmal klar voneinander trennbar. Ein Schlüsselerlebnis ist das unverhoffte Wieder-Zusammentreffen von Hanna mit Harald – diesmal in Form eines Kunden-Dates, zu dem sie bestellt wurde. Zum Erlebnis, dass beide zu einer Entscheidung zwingt, wird das Treffen mit einem Geschäftsmann , das in angenehmer Atmosphäre beginnt und in massiven Grenzüberschreitungen endet. Das Ende des Films: Hanna gibt den Pay-Sex-Job auf und kehrt desillusioniert aufs Land zurück. Lea macht weiter. Die Freundschaft der beiden ist allerdings unwiderruflich zerbrochen.

Die Geschichte geht weiter (Quelle: Internet)

Ihre Kunden kommen aus allen Gesellschaftsschichten: Vom großkotzigen Investmentbanker, der immer gleich zwei Frauen auf einmal ins Luxushotel ordert, über den biederen Familienvater, der einen Quickie im Aufzug des Parkhauses bestellt, ehe er Frau und Kind heim fährt, bis zum grindigen Wiener Sauprolet (tschuldigung), dem die "Alte" den Fernseher mitgenommen hat, ist alles dabei.

Auch der Escortservice-Betreiber hat nichts vom Hanno-Pöschl-mäßigen Wiener Strizzi-Glamour, sondern wirkt wie ein kleinbürgerlicher Gewerbetreibender, der genauso gut Staubsauger oder Versicherungen verkaufen könnte.

Die handelsüblichen Klischees von Gewalt und Ausbeutung im Rotlichtmilieu - die es ja zweifelsohne auch gibt - werden in TAG UND NACHT weiträumig umschifft. Sabine Derflinger, die auch als Dokumentarfilmerin arbeitet, hat monatelang im Milieu recherchiert, Sexclubs besucht, unzählige Gespräche mit Prostituierten und ihren Kunden geführt, und gemeinsam mit ihren Darstellerinnen jede Menge Filme angesehen, in denen Sexszenen in allen Schattierungen vorkommen.

Zwei Studentinnen versuchen sich als Escort-Girls. Eine wird den Job aufgeben. Eine wird ihn behalten. Tag und Nacht.

FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 100 min.
Land: A 2010
Genre: Spielfilm

Copyright: http://sabine.derflinger.org/